Krampf, Aus, Rollstuhl - Bolt-Drama im allerletzten Rennen

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Krampf, Aus, Rollstuhl - Bolt-Drama im allerletzten Rennen

Bolt war mit Rückstand auf die letzte Teilstrecke gegangen, schrie nach wenigen Schritten vor Schmerzen auf und ging zu Boden. Der achtmalige Olympiasieger und elfmalige Weltmeister Bolt hielt sich den linken Oberschenkel und schaute irgendwann traurig ins Ziel, wo längst andere jubelten über das Sprintstaffelgold, das doch für ihn bestimmt gewesen war. Mit einem schnöden Muskelkrampf endete in London die wohl größte Karriere, die die Leichtathletik bisher gesehen hat.

"Es tut weh, eine wahre Legende, einen wahren Champion so straucheln zu sehen", sagte sein Kollege Yohan Blake hinterher. Blake hatte Schlussläufer Bolt als Drittplatzierten auf die letzte Reise geschickt, früher wäre das kein Problem gewesen.

Bolt hätte den Turbo eingeschaltet, Jamaika zum Sieg geführt, gejubelt, eine große Show geliefert. Über 100 m hatte es vor einer Woche nur zur Bronzemedaille gereicht hatte, der 30-Jährige möchte aber mit dem zwölften WM-Gold abtreten. Und noch einmal liess er sich beim Einlauf ins Stadion von den Fans feiern. Ein Volunteer eilte ihm noch mit einem Rollstuhl zu Hilfe, den Bolt allerdings nicht beanspruchte. Mit seinen Erfolgen verschaffte der Jamaikaner seiner Sportart enorme Anziehungskraft.

Nur in den sozialen Netzwerken äußerte sich Bolt hinterher. Und: "Unendliche Liebe für meine Fans". Die ebenso frenetisch gefeierten Briten setzten sich in 37,47 Sekunden unerwartet vor den amerikanischen Favoriten um 100-m-Weltmeister Justin Gatlin (37,52) durch und holten den WM-Titel nach zwölf Jahren zurück nach Europa. "Es war verrückt, wir standen 40 Minuten nur herum, wir sind ausgekühlt", sagte Blake. Und auch Gatlin meinte: "Ich glaube, das hat Usains Verletzung begünstigt". Usain Bolt sammelte damit elf WM-Titel und acht olympische Goldmedaillen, stellte fünf Weltrekorde auf und gewann unzählige Rennen. Der Zehnkampf ging an den Franzosen Kevin Mayer (8768 Punkte), der Niederösterreicher Dominik Distelberger (7857) belegte Rang 17.