Nordkorea plant offenbar vier Raketenstarts in Richtung US-Insel Guam

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Nordkorea plant offenbar vier Raketenstarts in Richtung US-Insel Guam

Washington/Wien - Das New York Magazine formulierte es zugespitzt, aber nicht ganz unzutreffend: "Ignorieren Sie unseren verrückten Präsidenten!", sei die Reaktion gewesen, mit der der Rest der US-Regierung auf die Ankündigung Donald Trumps reagiert habe, "Feuer und Wut" über Nordkorea ergießen zu lassen.

Kim Jong-un und Donald Trump heizen die Stimmung auf. Trump habe die Autorität, Kim Jong Un auszuschalten.

Anlass für Trumps Drohung war ein Zeitungsbericht, gemäss dem Nordkorea erhebliche Fortschritte bei seinem Raketenprogramm gemacht hat. Bis Mitte August solle der Einsatzplan stehen, um vier Mittelstreckenraketen über Japan hinweg auf Guam abzufeuern, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Donnerstag. Australiens Außenministerin Julie Bishop unterstrich, dass sich ihr Land im Fall eines militärischen Konflikts zwischen den USA und Nordkorea nicht zum Eingreifen verpflichtet fühle. Neben B-52-Langstreckenbombern hat die Armee dort auch einen U-Boot-Verband und Tausende Soldaten stationiert. Nach Einschätzung von Experten könnten solche Raketen das amerikanische Festland erreichen, wenn sie auf eine flachere Flugbahn geleitet würden. Guams Gouverneur Eddie Calvo gab sich betont gelassen. "Guam ist amerikanischer Boden". Die Insel sei aber auf alles vorbereitet. Auch Verteidiungsminister James Mattis übt sich bereits in martialischen Sprüchen: Er warnte Nordkorea vor Handlungen, die zum Ende des Regimes und zur "Vernichtung des Volkes" führen könnten. Daher müssten die USA rasch - und auf hoher Ebene - einen Dialog mit Pyongyang anstreben, und sie hoffe, dass Aussenminister Rex Tillerson genau dies mit seinen asiatischen Partnern diskutiere. Nordkorea würde jedes von ihm initiierte Wettrüsten und jeden Konflikt verlieren.

Ein Plan, wie diese "Stärke" aussehen könnte, will das Militär eigenen Angaben zufolge bereits in wenigen Tagen fertiggestellt haben. Davon profitierten das als Krisenwährung geltende Gold sowie der japanische Yen und der Schweizer Franken. Pjöngjang sollte "sehr, sehr nervös" sein, selbst wenn es nur über einen Angriff auf die USA oder ihre Verbündeten nachdenke. "Und das werden wir auch tun", sagte Tillerson. Für die ehemalige US-Vizeverteidigungsministerin Evelyn Farkas klingt Trump mit seiner Kriegsrhetorik "wie ein nordkoreanischer Herrscher". "Sie werden mit Feuer und Zorn getroffen, wie es die Welt noch nicht gesehen hat".

Angesichts des Säbelrasselns zwischen den USA und Nordkorea forderte der SPD-Außenpolitiker Rolf Mützenich von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den NATO-Partnern eine Distanzierung von Trump.

Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Jürgen Hardt (CDU), bezeichnete die Drohungen von Trump als "nach innen gerichtetes Signal, das aber außenpolitisch weder besonders geschickt noch hilfreich" sei. "Es ist in Tip-Top-Verfassung", sagte Trump.

Die Zeitung versucht, die Leser zu beruhigen. In einem Kommentar hieß es, ohne eine "Rückkehr zur Vernunft" werde "alles noch schlimmer". 2013 gab das Pentagon wegen der Bedrohung durch Nordkorea die Stationierung des Raketenabwehrsystems Thaad auf Guam bekannt. Daraufhin ließ Nordkorea seinerseits verlauten, es erwäge einen militärischen Angriff auf das US-Außengebiet Guam im Westpazifik. "Die Lage ist wirklich ernst". Der französische Regierungssprecher Christophe Castaner sagte, alle Seiten sollten sich verantwortungsbewusst verhalten und zur Deeskalation beitragen.

Aus dem südkoreanischen Präsidialamt verlautete, man halte eine friedliche Lösung für wahrscheinlich.