Stadt im Ausnahmezustand: Randale und sexuelle Übergriffe in Schorndorf

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Stadt im Ausnahmezustand: Randale und sexuelle Übergriffe in Schorndorf

"Wie viele es genau waren, lässt sich jedoch nicht sagen", betonte der Polizeipräsident von Aalen, Roland Eisele, während einer Pressekonferenz am Montag.

Als die Ordnungshüter einen Verdächtigen wegen Körperverletzung festnehmen wollten, hätten sich etliche andere mit ihn solidarisiert und sich gegen die Polizei gewandt.

Bei dem Stadtfest waren in der Nacht zum Sonntag Gäste und Polizisten aus einer Ansammlung von rund 1000 jungen Menschen im Schlosspark heraus angegriffen worden.

Vom Oberbürgermeister von Schorndorf, Matthias Klopfer, kam harsche Kritik: "Ich kann nicht sagen, warum die Polizei dieses Jahr davon abgesehen hat, den Schlosspark zu räumen", sagte er gegenüber dem Südwestdeutschen Rundfunk (SWR). "Das ist kein Kavaliersdelikt".

Polizei und Rathausspitze in Schorndorf werden kalt erwischt: Bei einem sonst immer friedlichen Volksfest am Wochenende kommt es zu sexuellen Belästigungen und Gewalt gegen Festgäste und Polizisten. "Wir hoffen weiter darauf, dass sich mögliche Geschädigte oder Zeugen bei uns melden", sagte ein Polizeisprecher. Nach Auskunft des Innenministeriums in Stuttgart gab es im vergangenen Jahr 5.406 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (2015: 5.447), davon 803 (2015: 817) Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen. "Da war Alkohol im Spiel."Nach Angaben des Oberbürgermeisters von Schorndorf hatten vor allem Abiturienten und Realschüler auf dem Volksfest gefeiert". Ein Teil von ihnen warf nach Polizeiangaben Flaschen auf die Beamten sowie auf andere Festteilnehmer und die Fassade des Schlosses. Dann flogen Flaschen gegen Polizisten, es kam auch zu Angriffen auf die Beamten.

Das Volksfest "Schorndorfer Woche" findet hauptsächlich auf dem zentralen Marktplatz statt. In Böblingen wurde eine Gruppe betrunkener afghanischer Asylbewerber am Samstagabend am Rande eines Holi-Festivals aggressiv. Man dürfe es aber jetzt nicht zulassen, mit dem Vorfall Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen.

SPD-Fraktionsvize Sascha Binder sprach sich für eine Aufarbeitung aus, um "für künftige Veranstaltungen dieser Art die nötigen Lehren ziehen". Die Polizei hatte Mühe die Lage unter Kontrolle zu bekommen und musste Verstärkung rufen. In einem Fall wurde ein irakischer Tatverdächtiger ermittelt.

"Wir haben Zeugenaussagen, dass nachts noch Gruppen unterwegs waren, die mit Schreckschusswaffen geschossen haben und Messer dabei hatten", schilderte Krötz die Vorfälle. Es sei kein Haftbefehl erlassen worden.

Schorndorf zählt 40.000 Einwohner. "Bei uns leben etwa 700 Flüchtlinge, und wir haben das eigentlich gut im Griff", sagte Klopfer.

Zwischen 20 Uhr und 3 Uhr in der versammelten sich bis zu 1.000 junge Leute im Schlosspark und randalierten. "Diese Eskalation der Gewalt war ohne Weiteres nicht vorhersehbar". Die zunehmenden Aggressionen gegen Beamte seien ein gesamtgesellschaftliches Problem, dem man nur im Schulterschluss von Gesetzgeber, Polizei und Bevölkerung beikomme.

Er mahnte aber davor, Hetze gegen Menschen mit Migrationshintergrund zu betreiben.