Erdogan fordert harte Bestrafung: "Köpfe abreißen, Guantanamo-Kleidung und Todesstrafe einführen"

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Erdogan fordert harte Bestrafung: "Köpfe abreißen, Guantanamo-Kleidung und Todesstrafe einführen"

Auf der Brücke, aber auch später, bei seinem nächtlichen Auftritt im Parlament, sagt er: "Wenn das vom Parlament verabschiedet wird und zu mir kommt, werde ich das ohne Zögern bewilligen". Erdogan fügte hinzu: "Und ich persönlich achte nicht darauf, was Hans und George dazu sagen".

Mit "Hans und George" spielt Erdogan auf EU-Staaten wie Deutschland und Großbritannien an. Erneut bringt der türkische Staatschef die Wiedereinführung der Todesstrafe auf die Tagesordnung - und entfernt sich damit immer weiter von Europa. "Sowohl die elenden Putschisten als auch jene, die sie auf uns gehetzt haben, werden von nun an keine Ruhe mehr finden".

Bei einer Gedenkfeier in Istanbul hatte der türkische Präsident kurz zuvor gesagt, er wisse, wer hinter Terrororganisationen wie der Gülen-Bewegung, der kurdischen Arbeiterpartei PKK und der Terrormiliz "Islamischer Staat" stehe. "Wir werden diesen Verrätern den Kopf abreißen", rief Erdogan am am Samstagabend der jubelnden Menge in Istanbul zu.

Im Zusammenhang mit dem Putschversuch wurden nach Angaben der Regierung mehr als 50.000 Menschen in Untersuchungshaft gesperrt. Zahlreiche Handynutzer in der Türkei bekamen bei Anrufen in der Nacht zu Sonntag vor ihrem gewünschten Gesprächspartner zunächst eine aufgezeichnete Nachricht von Recep Tayyip Erdogan zum Jahrestag des Putschversuchs zu hören. Der Vorsitzende der Republikanischen Volkspartei, Kemal Kilicdaroglu, erklärte in der Sondersitzung, die Geschehnisse vom 15. Juli 2016 seien nicht vollständig untersucht worden.

Seit dem gescheiterten Putsch geht die türkische Führung hart gegen vermeintliche Gülen-Anhänger vor.

Vor einem Jahr hatten Teile des Militärs versucht, die Macht an sich zu reißen. Er saß während der Ansprachen mit versteinertem Blick auf einem Platz in den Rängen.

Den Jahrestag der Putsch-Niederschlagung inszeniert die Regierung als ein Fest der Demokratie - während die Opposition vor einer Diktatur warnt.

Um die Putschisten vom vergangenen Jahr hinzurichten, wäre die Wiedereinführung der Todesstrafe nicht ausreichend. Statt einer schnellen Normalisierung habe die Staatsführung einen bleibenden Ausnahmezustand erschaffen und immer wieder verlängert. Kritiker hielten Avci damals vor, er habe einen Propagandafilm für Erdogan gedreht.

Der stellvertretende Chef der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP, Ahmet Yıldırım, sagte in der Sitzung, die Regierung sei nach dem Umsturzversuch gegen Menschen und Institutionen vorgegangen, die gegen einen Putsch gewesen seien.

Der ganze Zorn der westlichen Politik und Medien richtete sich also nicht gegen die Putschisten, sondern gegen die widerstand leistende türkische Zivilbevölkerung und gegen die demokratische Regierung der Türkei. Wie viele Unterstützer der Putschisten getötet wurden, ist bis heute unklar. Dieser bestreitet das. Bis zum offenen Bruch 2013 waren Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und Gülen lange Weggefährten.

Seit Dienstag erinnert die Türkei in Gedenkfeierlichkeiten an den blutigen Putsch. Wirtschaftlich hatte sich die Türkei unter Erdoğan von einem Armenhaus im Jahre 2002 zu einem modernen Wohlfahrtsstaat entwickelt, und gilt weiterhin als eines der größten Volkswirtschaften (Rang 17/2016) der Welt.

"Als Präsident überbringe ich Ihnen meine besten Wünsche zum Tag der Demokratie und der nationalen Einheit". Der Mobilfunkanbieter Turkcell versprach seinen Kunden ein zusätzliches Gigabyte Datenvolumen. Am Abend des 15. Juli besetzten sie eine Bosporus-Brücke in Istanbul, beschossen das Parlament und schickten Panzer auf die Straßen.

Erdogan selbst kann nicht mehr zurück.