USA und Frankreich: gemeinsame Parade in Paris [0:44]

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USA und Frankreich: gemeinsame Parade in Paris [0:44]

Paris/Washington. Nicht kleckern, klotzen - zumindest das haben Donald Trump und Emmanuel Macron gemein.

Wie jedes Jahr ist der französische Nationalfeiertag eine gewaltige Militärschau. An der Parade nahmen mehr als 3.700 Fußsoldaten und mehr als 200 Fahrzeuge teil. Die Einbeziehung der Amerikaner ist eine symbolische Geste Macrons. Als Anlass für die Einladung hatte sich angeboten, dass die alliierten US-Truppen vor 100 Jahren in den Ersten Weltkrieg eintraten. In einer Ansprache auf Englisch hatte er damals seine Antwort in den Slogan "Make our planet great again" gepackt, der an Trumps "Make America great again" erinnerte.

Brigitte Macron ist 64, ihr Ehemann 39, ein ähnlicher Altersunterschied wie zwischen Trump und dessen Frau Melania (47), die ebenfalls mit in Frankreich war. Die Körpersprache einer neuen politischen Männerfreundschaft. Beim Klimawandel hofft er, den sturen Trump einfach umgehen zu können und "Städte, Bundesstaaten und die Unternehmer in Amerika davon zu überzeugen, uns zu folgen", ob das der Staatschef billige oder nicht, sagte er in einem Interview. Nach der Parade schwört Macron: "Nichts wird uns je trennen". Auch eine seiner üblichen sexistischen Bemerkungen konnte der Präsident sich nicht verkneifen (siehe Extra). Noch in diesem Jahr werde es Schritte geben, die viele überraschen würden, sagte Merkel.

► Im Mai lieferte er sich mit Macron das erste Mal eine Art Ringkampf. Trump lobte das französische Engagement im Kampf gegen den Terrorismus.

Macron hatte sich bereits beim G20-Gipfel auffällig um Trump bemüht. Was die Einmischung Russlands in die US-Wahlen betrifft, hatte Trump schon vor dem Abflug in die französische Hauptstadt gesagt: "Irgendetwas ist vorgefallen". Ein Akt der gruppendynamischen Inklusion. Beim Staatsbesuch in Frankreich hat der US-Präsident erneut für Aufruhr abseits der Politik gesorgt. Manche vermuten hinter Macrons Charme-Offensive eine abgestimmte Aktion mit Merkel. Konkrete Angaben machte Trump nicht. Hoffnungen auf eine schnelle Rückkehr der USA in das Pariser Abkommen hegt indes niemand. Im Blitzlicht-Gewitter dinieren am Donnerstagabend die Ehepaare Macron und Trump. Und Trump liebt Spektakel.

Französische Medien registrieren leicht ironisch Macrons Hang zur pompösen Inszenierung.

Medienberichten zufolge soll er Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, während eines Besuches im Invalidendom in Paris für ihre gute Figur gelobt haben. So könne sich Macron nun als der überzeugte Klimaschützer präsentieren, der er gar nie gewesen sei. Die Tuchfühlung mit Putin, Merkel und Trump verleihen ihm eine Aura von internationaler Bedeutung. Nach einer Umfrage des Instituts Odoxa betrachtet eine Mehrheit der Bevölkerung Frankreich als wichtige Militärmacht. Sie ist die Mutter der ersten drei Kinder von Trump. Der Präsident erhofft sich dadurch zusätzliche Legitimität, um schwierige innenpolitische Reformen wie eine Lockerung des Arbeitsrechts durchzusetzen. Immerhin ist der US-Präsident in Frankreich unpopulär: Laut einer Umfrage halten ihn 93 Prozent für "arrogant", 83 Prozent für "intolerant" und 78 Prozent für "gefährlich". Frankreich, Atommacht und permanentes Mitglied im UN-Sicherheitsrat, sitzt mit am Tisch der ganz Großen. Der neue Präsident Emmanuel Macron ist jedoch davon überzeugt, dass sein Land eine ausserordentlich schöpferische und für die Menschheit wohltuende Mittelmacht ist.

Das Weiße Haus wollte sich bislang nicht zu dem Vorfall äußern. "Ich werde wiederkommen", verspricht der US-Präsident zum Abschied.