Totenmesse für Kohl im Dom von Speyer geplant

"Deshalb gebührt Helmut Kohl nun auch ein europäischer Staatsakt, für den ich mich persönlich einsetzen werde", sagte Juncker der "Bild am Sonntag".

Am Sonntag stellte sich EU-Kommissar Günther Oettinger hinter den Vorschlag von Juncker.

Kohl ist nach Informationen der Bild am Sonntag im Wohnzimmer seines Hauses aufgebahrt, wo eigens eine Kühlung installiert wurde. Auch sei eine solche Feier Kohls Wunsch gewesen, hieß es. Oder auf die Hilfe des langjährigen Bild-Herausgebers und Kohl-Trauzeugen, Kai Diekmann, der nach einer Türkei-Reise unmittelbar nach der Todesnachricht am Freitag in das Haus an der Marbacher Straße 11 eilte und seither dort verweilen soll, um Maike Kohl-Richter zur Seite zu stehen. Die Organisation hat jedoch begonnen, deutsche Behörden übernehmen dabei die führenden Rolle. Der Leichnam werde dann über den Rhein nach Speyer in Kohls Heimat Rheinland-Pfalz gebracht. "Aber es ist genauso klar, dass die Familie dazu das letzte Wort hat". Auch ist offenbar eine öffentliche Totenmesse in Speyer geplant.

Sieben Jahre nach dem Tod von Hannelore heiratete Helmut Kohl wieder: Maike Richter. Auch die Trauerfeier für Kohls erste Ehefrau Hannelore hatte hier stattgefunden, sie hatte sich 2001 das Leben genommen. Unter Hochdruck handelte er mit den Staats- und Regierungschefs der USA, der Sowjetunion, Großbritanniens, Frankreichs sowie den Verantwortlichen der Europäischen Union die Modalitäten dafür aus. Kohl gilt als Architekt der deutschen Einheit sowie des Zusammenwachsens Europas.

Einer, der Kohl-Richter schon lange kennt, nennt sie tough und blitzgescheit. "Ohne das Vertrauen, das Helmut Kohl bei vielen Politikern in aller Welt genoss, wäre die deutsche Einheit nicht so schnell und so friedlich zustande gekommen", erklärten der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, und die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer, in einem Kondolenzschreiben.

"Mit Helmut Kohl verlieren wir einen großen Deutschen und großen Europäer", schrieb Angela Merkel ins Kondolenzbuch. Für Walter Kohl war der Vater Helmut nicht der Held der Wiedervereinigung, nicht der Wegbereiter der Europäischen Union, sondern eine Enttäuschung - einer, der nicht da war, der sich nicht kümmerte, der den Kontakt abbrach. "Ich verneige mich vor seinem Angedenken" und unterschrieb ihre Botschaft mit "Angela Merkel".

Unter den Besuchern im Trauerhaus war auch der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn. Sie können sich noch bis Freitag im Kanzleramt und in der Berliner Senatsverwaltung im Roten Rathaus in Kondolenzbücher eintragen. Darüber entscheidet das Bundespräsidialamt. Dies schließe aber nicht aus, auch eine Straße oder einen Platz in Berlin nach ihm zu benennen.

Die deutsche Nationalelf spielt am Montag bei ihrem ersten Confed-Cup-Spiel gegen Australien im russischen Sotschi mit Trauerflor. Immer wieder kommen Menschen vorbei, legen Blumen ab und verharren in Stille. Walter Kohl sagte einmal, als Vater habe Helmut Kohl versagt, er habe sich aber "einseitig" mit ihm versöhnt.