Prognose zur Wahl in Frankreich: Macrons Bündnis erreicht absolute Mehrheit

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Prognose zur Wahl in Frankreich: Macrons Bündnis erreicht absolute Mehrheit

Bisher mit 199 Abgeordneten in der Nationalversammlung vertreten, werden sie zusammen mit der verbündeten Zentrumspartei UDI künftig immerhin noch 125 Mitstreiter dorthin entsenden.

Die Franzosen in der Schweiz und in Liechtenstein haben Joachim Son-Forget von der Partei La République en Marche (REM) als ihren Repräsentanten in die Nationalversammlung gewählt. So widersinnig es klingt: Der Präsident, der am Sonntag triumphiert hat, wird er sich im eigenen Interesse bescheiden, der parlamentarischen Opposition Raum geben, den Dialog suchen müssen. Dabei hatte der Macron-Kandidat eine prominente Stellvertreterin, nämlich Emmanuel Macrons Schwiegertochter Tiphaine Auzière.

Ansprache der Vorsitzenden der Macron-Bewegung, Catherine Barbaroux.

Frankreichs Sozialistenchef Jean-Christophe Cambadélis hat nach dem Absturz seiner Partei seinen Rückzug aus der Parteispitze angekündigt. Eine "kollektive Führung" werde ihn ersetzen. Sie kann als mangelnde Legitimation von REM gelesen werden, als Desinteresse der Menschen - zugleich aber auch als Zeichen dafür, dass die anderen Parteien nur wenig mobilisieren konnten.

Staatschef Macron zeigte sich bei seiner Stimmabgabe in der Früh siegessicher. Bereits jetzt erfüllte er sein Wahlversprechen, das französische Parteiensystem aufzurütteln: Eine Hälfte seiner Kandidaten für die Parlamentswahl waren Bürger aus dem zivilen Leben, und eine Hälfte waren Frauen.

Linkspartei und Kommunisten gewannen zwischen zehn und 30 Mandate, der rechtspopulistische Front National (FN) von Marine Le Pen zwischen sechs und acht Sitze. Sie zieht damit erstmals in die Nationalversammlung ein. Hatten sie doch mehr Mandate erhofft, nachdem es Le Pen noch Anfang Mai in die Stichwahl um das Präsidentenamt geschafft hatte.

Für Sozialisten und Konservative setzte es wie erwartet schwere Verluste.

Das Lager von Präsident Emmanuel Macron hat indes seine Reformversprechen bekräftigt. Trotzdem sprachen einzelne Kommentatoren von einer politischen "Flutwelle" für die Macronisten. Zuvor hatte sie lediglich zwei Sitze innegehabt. Dass die Meinungsforscher Macrons LRM einmütig einen Erdrutschsieg prophezeit hätten, habe die Motivation zusätzlich geschmälert. Wie der Sender France Info am Montan berichtete, ist dies die bislang umfangreichste Erneuerung des Parlaments seit Gründung der Fünften Republik 1958. Allerdings hatten Umfragen Macron in den Tagen vor der Wahl noch mehr Zustimmung vorausgesagt.

Als eine der ersten Maßnahmen will er ein Gesetz für mehr Moral in der Politik durch die Nationalversammlung bringen. Es ist eine Reaktion auf Skandale wie die Scheinbeschäftigungsaffäre um den konservativen Präsidentschaftskandidaten François Fillon. Bei seinen Reformvorhaben, insbesondere der Flexibilisierung des Arbeitsmarkts, will Macron schnell Fakten schaffen. Die Wahlbeteiligung lag Hochrechnungen zufolge nur bei rund 43 Prozent. Grund für den deutlichen Sieg in der zweiten Runde ist das geltende Mehrheitswahlrecht. Auch fehlt es hier wie da nicht an potenziellen Überläufern, die versucht sind, Macron die Hand zur Zusammenarbeit zu reichen.

Ihr erster Bewährungstest wird am 4. Juli die Regierungserklärung von Premierminister Edouard Philippe mit anschließendem Votum sein.

Macron telefonierte am Sonntag nach Angaben aus seinem Umfeld mit Bundeskanzlerin Merkel. Sie hoffe "auf weiter gute Zusammenarbei" für Deutschland, Frankreich und Europa, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Sonntagabend über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.