Präsident Macron gewinnt absolute Mehrheit in der Nationalversammlung

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Präsident Macron gewinnt absolute Mehrheit in der Nationalversammlung

Das herausragende Merkmal ist es, dass das Stimmvolk bei den Stichwahlen die Tendenz ganz offensichtlich korrigieren wollte, um der zukünftigen Regierungsmehrheit keine krasse Übermacht zu geben.

Um 21.00 Uhr hatte Son-Forget bereits über 75 Prozent der Stimmen in 28 von 53 Wahllokalen erhalten.

Frankreich nimmt nach der Wahl mit einer absoluten Parlamentsmehrheit für den Präsidenten und Hoffnungsträger Emmanuel Macron Kurs auf einen politischen Neustart. Macrons Bewegung La République en Marche (LRM, Vorwärts die Republik) und die mit ihr verbündete Zentrumspartei Modem werden in der Nationalversammlung voraussichtlich 355 der 577 Abgeordneten stellen.

Meinungsforscher hatten im Vorfeld allerdings bis zu 470 Mandate für möglich gehalten.

Das ist eine satte absolute Mehrheit, doch deutlich weniger als erwartet.

Das Lager des neuen Präsident Emmanuel Macron kann im entscheidenden zweiten Wahlgang mit einem Durchmarsch rechnen - das lassen Umfragen und die Ergebnisse der ersten Runde erwarten.

Ihnen wird eine geschwächte Opposition gegenübersitzen: Die Sozialisten erlitten eine historische Schlappe, auch die Konservativen mussten massive Verluste hinnehmen. Sie lag laut Hochrechnungen um die 43 Prozent.

Republikaner und Sozialisten hatten die Politik in Frankreich über Jahrzehnte dominiert, waren aber schon bei der Präsidentenwahl von den Wählern abgestraft worden. "Unser Volk ist bei dieser Wahl in eine Form des staatsbürgerlichen Generalstreiks getreten", meinte der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon.

Macron war erst vor sechs Wochen in den Élyséepalast gewählt worden. Er will in den kommenden Monaten unter anderem eine umstrittene Lockerung des Arbeitsrechts durchsetzen. Außerdem strebt er weitreichende Reformen in der vom angekündigten Austritt Großbritanniens verunsicherten Europäischen Union an.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte Macron zum Wahlerfolg.

Laut den Meinungsforschungsinstituten Kantar Public-Onepoint, Ipsos und Elabe kommen die konservativen Republikaner und ihre Verbündeten auf 125 bis 133 Sitze. Die bürgerliche Rechte wurde damit zweite Kraft in der Volksvertretung. Insgesamt dürften die moderate Linke und die Grünen zusammen nur noch mit 29 bis 49 Sitzen vertreten sein. Mélenchon selbst konnte sich in seinem Wahlkreis Marseilles gegen die LREM-Politikerin Corinne Versini durchsetzen. Der rechtsextreme Front National wird wohl mit weniger als zehn Mandaten noch nicht einmal eine Fraktion bilden können. Bislang waren es 2.

Bei der französischen Präsidentschaftswahl im Mai hatte die Rechtspopulistin Marine Le Pen im Elsass deutlich besser abgeschnitten als im Landesdurchschnitt.

Macron hat mit seinem Wahlerfolg nun freie Bahn für seine sozialliberalen Reformen. Die bürgerliche Rechte wurde damit zweite Kraft in der Volksvertretung. Viele von ihnen haben künftig einen Sitz in der Nationalversammlung.

Frankreich leidet schon lange unter einer hohen Arbeitslosigkeit, sie lag zuletzt bei 9,5 Prozent. Bei der Abstimmung vor fünf Jahren lag dieser Wert bei gut 46 Prozent.

Setzt sich Macrons Partei wie erwartet durch, dürfte Premierminister Edouard Philippe am Montag förmlich den Rücktritt des Kabinetts einreichen, um dann erneut mit der Regierungsbildung beauftragt zu werden. Eine grössere Kabinettsumbildung gilt angesichts des Ergebnisses allerdings als unwahrscheinlich.