Polizei geht nach Brand nun von 58 Toten aus

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Polizei geht nach Brand nun von 58 Toten aus

Wie die Londoner Polizeisagte, wird mit weiter steigenden Opferzahlen gerechnet. Sie forderten eine Aufklärung der Brandkatastrophe. "Das Haus war eine Todesfalle und sie wussten das", rief ein Mann. Bei Protesten am Freitagabend hatten Demonstranten ihren Rücktritt gefordert (siehe Bericht "Demonstranten stürmen Rathaus").

Die deutsche Brandschutz-Professorin Sylvia Heilmann hält es im Gespräch mit der dpa für unverantwortlich, dass möglicherweise brennbare Materialien in einem Hochhaus eingesetzt worden sein könnten. Nach Angaben der Polizei wird der Rettungseinsatz noch mehrere Tage dauern. Alle Brandnester seien inzwischen gelöscht.

London trauert um die Opfer. Bislang gebe es keine Hinweise auf eine mögliche Brandstiftung, sagte Cundy. Mit Blick auf die endgültigen Opferzahlen sagte er: "Ich hoffe, dass es nicht dreistellig wird".

Kritiker hatten Theresa May vorgeworfen, ihre Regierung habe zu spät auf das Unglück reagiert. Es seien Schreie zu hören. "Ich weiß nicht, wo sie sind". Außerdem habe sie bei einem Besuch am Grenfell Tower am Donnerstag nicht mit den Opfern gesprochen. May empfing am Samstag Überlebende des Großfeuers, freiwillige Helfer und Vertreter der Gemeinde an ihrem Sitz in Downing Street 10. Der Minister für Gemeinden und Kommunalverwaltung, Sajid Javid, sagte dem Rundfunksender BBC: "Etwas ist hier falsch gelaufen, etwas ist drastisch falsch gelaufen".

Bei dem Feuer im Grenfell Tower, das in der Nacht zum Mittwoch ausgebrochen war, waren mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen, zahlreiche weitere werden noch vermisst.

Polizeichef Stuart Cundy teilte mit, dass sich zum Zeitpunkt des Feuers vermutlich noch mehr Bewohner in dem Hochhaus aufhielten als bisher angenommen. Viele von ihnen wurden im Schlaf überrascht.

Die Ursache für den Brand bliebt zunächst unklar, doch verstärkten sich Vermutungen, sie könne mit der jüngsten Renovierung des 24-stöckigen Gebäudes zusammenhängen. Das Hochhaus aus den 70er Jahren wurde bis zum vergangenen Jahr für umgerechnet 9,9 Millionen Euro aufwändig renoviert. Vor allem die Fassade wurde saniert und gedämmt. Matt Wrack, der Chef der Feuerwehr-Gewerkschaft, sagte, nach dem Brand hätten die Bewohner des Gebäudes das Recht, kritische Fragen zu stellen - etwa, ob die Fassadenverkleidung die Feuersicherheit beeinträchtigt habe. Es handelt sich um einen syrischen Flüchtling namens Mohammed Alhajali.

Der "Daily Telegraph" zitierte einen Brandschutzexperten, wonach die Panele wie ein "Windkanal" gewirkt hätten.