Muslime protestieren gegen Terror - dass Ditib nicht mitmacht, wirft Fragen auf

  • Muslime protestieren gegen Terror - dass Ditib nicht mitmacht, wirft Fragen auf

Muslime protestieren gegen Terror - dass Ditib nicht mitmacht, wirft Fragen auf

Am Ende waren es nicht mal halb so viele bei der Anti-Terror-Demo in Köln.

Die Veranstalter ließen diese Vorwürfe links liegen und versuchten es trotzdem.

"Reiht euch ein - gemeinsam gegen Terror sein", lautete der Ruf der Demonstranten.

Den Rundweg vom Heumarkt über Neumarkt und Rudolfsplatz säumten zahlreiche Schaulustige. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüße es "sehr, dass Muslime und ihre Freunde an diesem Samstag ein klares Zeichen gegen Gewalt und Terrorismus jeder Art setzen wollen". Und man hofft, dass es tatsächlich die erwarteten 10 000 Muslime sein.

Auch Mitinitiatorin Kaddor zeigte sich verwundert.

Viele Kölner applaudieren spontan, als der ungewöhnliche Demonstrationszug am Samstag mitten im Einkaufstrubel an ihnen vorbeizieht. Sie hoffe, vor allem junge Muslime zum Mitmachen ermutigt zu haben. Die provozierende Passivität mit Blick auf die Demonstration in Köln wird für DITIB noch zur Zerreißprobe werden. So hat sich eine Gruppe der Islamischen Gemeinde in Herne auf den Weg nach Köln gemacht. Aufgerufen zur Teilnahme seien alle Menschen egal welcher Glaubensrichtung. Der Protest sei nötig, um zu zeigen, dass man sich von den Gewalttätern und ihren Taten nicht vereinnahmen lassen wolle. "Nur, weil jemand Muslim ist, steht er ja dem Islamismus nicht nahe", unterstreicht Student Abdullah (21) aus Dortmund. Die Polizei sprach zunächst von 500 Menschen, korrigierte die Zahl dann laut "Express" noch nach unten auf 200 bis 300. "Insofern kann ich nicht verstehen, warum da nicht mehr Leute sind". Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) ist umstritten, denn sie ist ein Instrument der Regierung in Ankara.

Muslim-Marsch Es sollte ein gewaltiger Marsch der Muslime gegen Terror werden. Ich hab' bisher noch keine Moslems gesehen, die zu Zehntausenden auf die Straße gegangen sind und gesagt haben: "Was macht ihr da eigentlich?", hatte Lieberberg gesagt und eine kontroverse Debatte ausgelöst. Gleich zwei Demonstrationszüge gingen am Nachmittag durch die Stadt.

Noch unmittelbar vor der Demonstration kritisierten führende Politiker diese Entscheidung. Dass Ditib nicht an der Kundgebung teilnehmen wolle, sei "einfach schade", sagte der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, am Freitag in Berlin. "So dauert es erfahrungsgemäß nicht einmal Wochen, bis erneut Aufrufe an die Adresse der Muslime laut werden, sich vom Terror zu distanzieren", so die Ditib in seiner Erklärung. Wir werden es vielleicht nie in Erfahrung bringen, höchstens, man zieht als Vergleich den Gottesdienst an der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche heran, bei dem Spitzenvertreter der Politik, der jüdischen, christlichen, hinduistischen und muslimischen Gemeinden nach dem Terroranschlag auf dem nahen gelegenen Weihnachtsmarkt zusammenkamen.

Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (B90/Die Grünen) erklärte dazu, dass sich mit der Kritik an der Kölner Kundgebung Ditib "als Teil der Zivilgesellschaft abgemeldet" habe. "Ich glaube, es ist das falsche Signal gewesen, bei so einem Friedensmarsch nicht dabei gewesen zu sein", sagte sie.

Die Demo hatte unter Islamverbänden bereits im Vorfeld für heftige Diskussionen gesorgt. Muslime würden im Ramadan auch arbeiten und Sport treiben. Wir machen Sport im Ramadan. "Also können wir auch auf die Straße gehen".