Mehrheit für Macrons Bündnis doch nicht ganz so erdrückend

Das Resultat war trotzdem im ganzen Land gleich: Ob auf dem Land oder in der Stadt, im Norden oder im Süden, in den reichen wie den armen Vierteln - die wahlmüden Franzosen wollten Macron ganz offensichtlich mit einer Regierungsmehrheit ausstatten. Das gab die Schweizer REM-Sektion nach der Stichwahl am Sonntagabend bekannt. Die Wahllokale öffneten am Sonntagmorgen. Der 34-Jährige hat südkoreanische Wurzeln, ist Arzt am Lausanner Universitätsspital und lebt in Genf. Parteichefin Le Pen selbst gewann in ihrem Wahlkreis in Nordfrankreich mit an die 58 Prozent, wie sie der Nachrichtenagentur AFP sagte. Das Bündnis um seine Partei La République en Marche hat heute laut Hochrechnungen bei der zweiten Runde der Parlamentswahl mehr als 350 von 577 Abgeordnetenmandaten erobert. Meinungsforscher rechneten auf Basis von Umfragen und dem Ergebnis der ersten Runde damit, dass sie mindestens 400 der 577 Mandate in der ersten Parlamentskammer bekommen.

Verstärkt wurde sie noch durch das Mehrheitswahlrecht, das nicht auf der prozentualen Parteienstärke beruht, sondern in jedem Stimmkreis den jeweiligen Sieger ins Parlament schickt.

Die Franzosen in der Schweiz und in Liechtenstein haben Joachim Son-Forget von der Partei La République en Marche (REM) als ihren Repräsentanten in die Nationalversammlung gewählt. Dagegen müssen die traditionellen Regierungsparteien der bürgerlichen Rechten und der Sozialisten mit einer weiteren herben Niederlage rechnen.

Als Anführerin der anti-europäischen Opposition wird erstmals Marine Le Pen, Chefin des rechtsextremen Front National (FN), ins Parlament einziehen. Überschattet wird der Sieg von einer historisch niedrigen Wahlbeteiligung. Das waren noch weniger abgegebene Stimmen als im ersten Wahlgang vor einer Woche, als die Beteiligung 48,7 Prozent betragen hatte. Das könnte auf eine geringere Zustimmung in der Bevölkerung für den Kurs des neuen Präsidenten hinweisen, als das vorläufige Wahlergebnis vermuten lässt. "Unser Volk ist bei dieser Wahl in eine Form des staatsbürgerlichen Generalstreiks getreten", meinte der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon.

Mit 39 Jahren ist Macron der jüngste Präsident in der französischen Geschichte. Die Regierung will noch in diesem Monat die Lockerung des als verkrustet kritisierten Arbeitsrechts angehen.

Laut den Meinungsforschungsinstituten Kantar Public-Onepoint, Ipsos und Elabe kommen die konservative Republikaner-Partei und ihre Verbündeten auf 97 bis 133 Sitze. Die bürgerliche Rechte wurde damit zweite Kraft in der Volksvertretung. Die Sozialisten von Ex-Staatschef François Hollande und verbündete linke Parteien kamen demnach sogar nur auf 29 bis 49 Sitze in der Nationalversammlung.

Doch es gilt als eher unwahrscheinlich, dass der Front National auf 15 Mandate kommen wird, die Mindestanzahl für eine eigene Fraktion. Bislang waren es 2.

Das Parteienbündnis des sozialliberalen Staatschefs errang damit in der zweiten Runde der Wahl deutlich mehr als die 289 Sitze, die für eine absolute Mehrheit in der Nationalversammlung nötig sind. Als eine der ersten Maßnahmen will er ein Gesetz für mehr Moral in der Politik durch die Nationalversammlung bringen. "Die letzten Protestbewegungen, wie jene gegen die Arbeitsmarktreform im vergangenen Jahr, sind alle besiegt worden", sagt der Politologe Jérôme Sainte-Marie.

Frankreich leidet schon lange unter einer hohen Arbeitslosigkeit, sie lag zuletzt bei 9,5 Prozent.

Premierminister Edouard Philippe dürfte nun am Montag förmlich den Rücktritt des Kabinetts einreichen, um dann erneut mit der Regierungsbildung beauftragt zu werden.