Macron nimmt Kurs auf haushohe Mehrheit

Gut einen Monat nach seiner Wahl zum Staatschef ist die erste Runde der Parlamentswahl eine weitere herbe Niederlage für die traditionellen Regierungsparteien der Sozialisten und der bürgerlichen Rechten. Das sei ein extrem starkes Zeichen, sagte der Generalsekretär von La République En Marche, Richard Ferrand, nach Abschluss des ersten Wahlgangs. Seine junge Partei gewann am Sonntag aus dem Stand den ersten Wahlgang und steuert auf eine absolute Mehrheit in der Nationalversammlung zu.

Statistiken des Innenministeriums zufolge gingen nur 48,6 Prozent der Wahlberechtigten zur Abstimmung. Es zeichnet sich eine historisch niedrige Beteiligung von etwa 50 Prozent ab. Sozialistenchef Jean-Christophe Cambadélis warnte bereits vor dem Fehlen einer Opposition im Parlament. Wegen des Mehrheitswahlrechts können sie damit auf eine historische Zahl an Abgeordneten hoffen. Die Vorsitzende des Front National, Le Pen, bezeichnete die geringe Wahlbeteiligung als besorgniserregend. In allen anderen Wahlkreisen gibt es am kommenden Sonntag eine Stichwahl. Der Front National hatte 15 Sitze angepeilt, die nötig wären, um eine Fraktion bilden zu können.

Auch bei einer klaren Mehrheit in der Nationalversammlung würde Macrons Lager nicht das ganze Parlament dominieren. Gewählt sind nur die Kandidaten, die in ihrem Wahlkreis am Ende vorne liegen.

Auch die Linkspartei La France Insoumise von Jean-Luc Mélenchon schnitt mit 11 Prozent schlechter ab als erhofft. Um bereits im ersten Wahlgang gewählt zu werden, braucht ein Kandidat eine absolute Mehrheit in seinem Wahlkreis. Im Senat als zweiter Kammer hat die bürgerliche Rechte die Mehrheit.

Die internationale Presse (siehe unten) sprachen in ähnlichen Tonart von einer "fast totalen Macht" für Emmanuel Macron und einer "absolutistischen Versuchung" (Süddeutsche Zeitung). Die Senatoren reden bei der Verabschiedung von Gesetzen mit - allerdings sitzt die Nationalversammlung letztlich am längeren Hebel.