Macron holt absolute Mehrheit

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Macron holt absolute Mehrheit

Macrons Partei La Republique en Marche (LREM) und ihre Verbündeten dürften sich etwa drei Viertel der 577 Sitze in der Nationalversammlung sichern. Die Schwelle für die absolute Mehrheit liegt bei 289 Sitzen. Zudem schmälert eine historisch niedrige Wahlbeteiligung den Erfolg.Doch diese Schönheitsfehler dürften bald vergessen sein: Mit seiner deutlichen Mehrheit in der Nationalversammlung kann der junge Staatschef durchregieren. Während viele für das "Etikett REM" gewählt wurden, drohte zahlreichen bekannten Gesichtern, ausgesiebt zu werden. Umfragen zufolge hat das Lager von Präsident Emmanuel Macron beste Chancen auf die absolute Mehrheit. Meinungsforscher hatten zuvor bis zu 470 Mandate für möglich gehalten.

Bei der Parlamentswahl wird in 577 Wahlkreisen jeweils ein Abgeordneter gewählt.

Der linke Mélenchon bleibt ebenfalls klar hinter den eigenen Erwartungen zurück: Er selbst hat Aussichten, einen Stimmkreis in Marseille zu gewinnen, seine Bewegung Unbeugsames Frankreich könnte jedoch den Fraktionsstatus verfehlen. Lecks werden gnadenlos verfolgt: Als unlängst Planungen zur bevorstehenden Reform des Arbeitsrechts in der Tageszeitung "Le Parisien" veröffentlicht wurden, reagierte Macron mit autoritärer Härte. Die bekannte Sozialistin Najat Vallaud-Belkacem verlor ihren sicher geglaubten Stimmkreis in einem Vorort von Lyon. Damit erhielte der proeuropäische Politiker freie Hand für die von ihm geplanten Reformen. Sein Lager erzielte laut den Hochrechnungen zwischen 128 und 130 Abgeordnetenmandate und halbierte sich damit nahezu. Zuvor hatten sie fast 300 Mandate inne. Frankreichs Sozialistenchef Jean-Christophe Cambadélis hat nach dem Absturz seiner Partei bei der Parlamentswahl seinen Rückzug aus der Parteispitze angekündigt. Sie zieht damit erstmals in die Nationalversammlung ein.

Ein Wermutstropfen für Macron ist allerdings die niedrige Wahlbeteiligung von 42 Prozent - ein Rekordtief. Weniger als die Hälfte der 47,5 Millionen Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Der 39-jährige Macron hatte erst Anfang Mai die Präsidentenwahl für sich entschieden. "Europa bringen wir nur nach vorn mit PolitikerInnen, die gestalten wollen", twitterte Schulz.

Eine bittere Enttäuschung war der Urnengang aber auch für die bürgerlich-konservativen Républicains, die nach dem Scheitern ihres von Skandalen gebeutelten Kandidaten François Fillon in den Präsidentschaftswahlen immerhin noch auf eine Parlamentsmehrheit zusammen mit der mit ihnen Alliierten Zentrumspartei UDI gehofft hatten. Merkel und Macron wollen in der Europapolitik zusammenarbeiten und nach Informationen aus dem Élyséepalst schon zum kommenden EU-Gipfel einen gemeinsamen Beitrag leisten. Dabei strebt er einen radikalen Umbau des Arbeits- und Sozialwesens an, der insbesondere bei den Gewerkschaften umstritten ist.

Die Sozialisten von Macrons Vorgänger François Hollande waren schon im ersten Wahlgang dramatisch abgestürzt, Umfrageinstitute sahen die moderate Linke und die Grünen zuletzt zusammen bei höchstens 35 Sitzen. Grund für den deutlichen Sieg in der zweiten Runde ist das geltende Mehrheitswahlrecht. Anders als im ersten Wahlgang begleitete seine Frau Brigitte ihn diesmal nicht mit ins Wahllokal.

Castaner sagte, Premierminister Edouard Philippe und seine Regierung würden noch im Tagesverlauf zurücktreten. Die erste Sitzung der neuen Nationalversammlung ist für den 27. Juni geplant. Manche Wähler wiederum meinten, die Mehrheit für Macrons Partei sei ohnehin so deutlich, dass ihre Stimme nichts bewirken werde.