Kohl-Tod: Kein nationaler Staatsakt in Deutschland geplant

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Kohl-Tod: Kein nationaler Staatsakt in Deutschland geplant

"Wir trauern um Helmut Kohl". Er polarisierte, aber er hat sich auch bleibende Verdienste erworben. Es wäre das erste Mal, dass ein europäischer Staatsakt ausgerichtet wird.

Vor Helmut Kohls Haus im pfälzischen Oggersheim legten Anwohner am Samstag Blumen nieder, zündeten Kerzen an und schrieben letzte Grüsse auf vor dem Eingangsbereich hinterlegten Karten, "Danke für Ihr Lebenswerk", stand auf einer davon.

Wie wichtig die Person Helmut Kohl für die polnisch-deutschen Beziehungen war, hat mir einige Jahre später - und leider sehr schmerzhaft - der damalige CDU-Generalsekretär vor Augen geführt.

Seit einem Sturz und Schädel-Hirn-Trauma 2008 war Kohl schwer krank und saß im Rollstuhl. Das Sprechen fiel ihm schwer, die Miene wirkte versteinert.

"In Gedenken an Helmut Kohl habe ich die Europaflaggen vor den europäischen Institutionen auf Halbmast setzen lassen". Er war von 1994 bis 1998 der Sprecher der Bundesregierung von Bundeskanzler Helmut Kohl.

Inzwischen nehmen Menschen in ganz Deutschland Abschied von Helmut Kohl.

"Kohl mag sich von Bismarck so sehr unterschieden haben wie Bonn von Berlin". Für den Kanzler aus der Pfalz war die romanische Kathedrale, die im Jahr 1061 geweiht wurde, "ein Stück Heimat" und zugleich ein Symbol der Zusammengehörigkeit Europas. Bei der Bundestagswahl 1976 scheiterte der promovierte Rechtswissenschafter und Historiker noch knapp am amtierenden SPD-Kanzler Helmut Schmidt.

Bundeskanzler Kohl sei ein regelmäßiger Gast auf Katholikentagen gewesen und habe sich oft Rat bei Theologen geholt. Am Ende seiner Kanzlerschaft sei Kohl an seiner eigenen Hybris gescheitert, spielte die Zeitung auf die Parteispendenaffäre an, welche Kohl den Ehrenvorsitz in der CDU gekostet hatte. "Er hat viel für Deutschland getan, für Europa, für die ganze Welt". Danke Helmut Kohl. Für die Einheit. "Tschüß Helmut", sagt sie leise. "Kohl hat an der richtigen Stelle das Richtige getan", konzediert ihm Stefan Aust, der einstige "Spiegel"-Chef - und das, obwohl Kohl sich stets geweigert hatte, dem "Spiegel" ein Interview zu geben". Unvergessen seien bis heute die wegweisenden Worte des Bundeskanzlers, die er damals am Brandenburger Tor gesprochen habe: „Freiheit bedeutet immer auch Verantwortung, sonst schlägt sie in neue Formen der Abhängigkeit um. Damit gelang es ihm, den Widerstand der britischen Premierministerin Margaret Thatcher und des französischen Präsidenten François Mitterrand zu brechen.

Aus kulturhistorischer Sicht ist es überaus bemerkenswert, dass die erfolgreiche Kanzlerschaft Helmut Kohls sich gegen eine mehr oder weniger dominante kulturelle Hegemonie der Linken vollzog.

Der tiefe FallZehn Jahre später dann der tiefe Fall: Die CDU versinkt im Sumpf ungeklärter Spenden und schwarzer Konten. Kohl nannte sie lange "mein Mädchen", platzierte sie auf mehreren Ministerposten.

Denn schon Anfang 1990 hatte der Kanzler die polnische Regierung unter Tadeusz Mazowiecki davon zu überzeugen versucht, dass es unabdingbar sei, politische Parteien zu gründen.

Der Oggersheimer legte damals sein gerade erhaltenes Amt als CDU-Ehrenvorsitzender nieder und musste nach einer Gerichtsverhandlung 300.000 D-Mark Bußgeld zahlen. Ihr Verhältnis zu Kohl blieb bis zuletzt belastet. Aber auch seine bedingungslose Loyalität, die er von anderen ebenso erwartete und einforderte, wie er sie ihnen entgegenbrachte. Er gilt als Kanzler der Einheit und Wegbereiter der Europäischen Union. Die Fußball-Nationalmannschaft soll zu Ehren Kohls beim Confed Cup am Montag mit Trauerflor auflaufen. "Danke für die deutsche Einheit", steht auf einem Banner, das die Junge Union am Briefkasten befestigt hat.

Als Ort für diese Zeremonie wird Straßburg genannt, die vielleicht europäischste aller Städte. Die Chemie hat gestimmt.

Weniger glücklich agierte der Pfälzer auf dem Gebiet der Wirtschafts-, Finanz- und auch de Innenpolitik.