Frankreich steuert auf Negativrekord bei Wahlbeteiligung zu

Bei der zweiten Runde der Parlamentswahl in Frankreich zeichnet sich eine geringe Beteiligung ab. Das sind etwa zehn Prozentpunkte weniger als zu diesem Zeitpunkt bei der Wahl vor fünf Jahren, und auch deutlich weniger als bei der ersten Runde vor einer Woche.

Umfragen zufolge hat das Lager von Präsident Emmanuel Macron beste Chancen auf die absolute Mehrheit. Er plant in den kommenden Monaten unter anderem eine umstrittene Lockerung des Arbeitsrechts. Schon dies war so niedrig wie noch nie bei einer französischen Parlamentswahl seit Gründung der Fünften Republik 1958. Die Wahllokale öffnen um 8.00 Uhr und sind bis 18.00 Uhr geöffnet, in grossen Städten zwei Stunden länger. Zwei Meinungsforschungsinstitute hielten es auf Basis von Umfragen und dem Ergebnis des ersten Wahldurchgangs sogar für möglich, dass Macrons Partei La République en Marche und ihre Verbündeten bis zu 470 der 577 Mandate erobern. Sie könnten nach einer Berechnung des Instituts Harris Interactive auf 60 bis 80 Sitze kommen. Damit hätte der sozialliberale Präsident großen Rückhalt für seine Reformagenda, mit der er der französischen Wirtschaft neuen Schwung geben will. Anders als im ersten Wahlgang begleitete seine Frau Brigitte ihn diesmal nicht mit ins Wahllokal. Dabei gilt ein reines Mehrheitswahlrecht, was es kleinen Parteien erschwert, Mandate zu gewinnen. Nur vier Sitze wurden bereits in der ersten Runde vor einer Woche vergeben, im Rest der Wahlkreise waren Stichwahlen nötig.

Die Sozialisten von Macrons Vorgänger François Hollande waren schon im ersten Wahlgang dramatisch abgestürzt, Umfrageinstitute sahen die moderate Linke und die Grünen zuletzt zusammen bei höchstens 35 Sitzen. Unklar ist noch, ob die radikale Linke um Jean-Luc Mélenchon eine Fraktion bilden kann.