Europäischer Staatsakt und Trauermesse in Speyer

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Europäischer Staatsakt und Trauermesse in Speyer

"Deshalb gebührt Helmut Kohl nun auch ein europäischer Staatsakt, für den ich mich persönlich einsetzen werde", sagte Juncker der BAMS. Unter Hochdruck handelte er mit den Staats- und Regierungschefs der USA, der Sowjetunion, Großbritanniens, Frankreichs sowie den Verantwortlichen der Europäischen Union die Modalitäten dafür aus. Auch ein Bestatter kam in das Haus, wo der Leichnam Kohls nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" im Wohnzimmer aufgebahrt liegt.

Das Wohnhaus von Helmut Kohl in Ludwigshafen-Oggersheim ist auch heute ein Ort der Trauer um den verstorbenen Altkanzler gewesen. Unter anderem sei für Kohl eine Totenmesse im Dom von Speyer geplant, berichtet "Bild am Sonntag". Danach wird der engste Familien- und Freundeskreis in der Traukapelle im Adenauerpark Abschied nehmen. Ein genaues Datum hierfür wurde jedoch nicht genannt. Entscheidungen seien noch nicht gefallen, hieß es am Samstag aus der Mainzer Staatskanzlei und dem Bundespräsidialamt in Berlin. Selbstverständlich wäre das Land sehr geehrt, wenn ein solcher Staatsakt in Kohls Heimat stattfinden würde, sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Abend im ZDF. Aber auch in Deutschland dürfte es wohl eine größere Trauerzeremonie geben. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien und CDU-Landesvorsitzende in Berlin, forderte eine Stiftung in Gedenken an Helmut Kohl. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wird am Montag mit Genehmigung der FIFA beim Auftaktspiel zum Confederations Cup gegen Australien mit Trauerflor spielen.

Bei der Verleihung des Point-Alpha-Preises an den Liedermacher und früheren DDR-Dissidenten Wolf Biermann legten die 1000 Gäste und Zuschauer im osthessischen Rasdorf eine Schweigeminute ein. Kohl erkannte nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989, dass das Fenster für die deutsche Einheit nur kurz geöffnet sein würde. Er gilt als Kanzler der Einheit und Wegbereiter der Europäischen Union.

Kohls Leidenschaft für den europäischen Gedanken sei davon geprägt, dass er "Zweiten Weltkrieg, Unrecht, Vertreibung und Zerstörung noch am eigenen Leib erlebt" habe, so Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). Man werde noch lange bewundern, wie entschlossen Kohl und seine Mitarbeiter die Gunst der Stunde zur Vereinigung genutzt hätten, sagte die CDU-Vorsitzende bei einem Besuch in Rom. Dort traf sie am Samstag Papst Franziskus.