Abschied von Helmut Kohl - Europäischer Staatsakt geplant

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Abschied von Helmut Kohl - Europäischer Staatsakt geplant

Den vielen Mikrofonen vor der Tür weicht er nicht aus, sondern lässt die Öffentlichkeit teilhaben an beklemmenden Details aus dem Innersten der Familie Kohl, einmal mehr. Mit Kondolenzbüchern, Trauerbeflaggung und Gedenkwachen in seiner Heimat Rheinland-Pfalz wird an Kohl erinnert. Bundestagspräsident Norbert Lammert sprach von einer "Persönlichkeit historischer Größe".

UN-Generalsekretär António Guterres hat in einer Erklärung seine tiefste Anteilnahme für Kohls Tod geäußert. "Als erster Kanzler des vereinigten Deutschlands seit 1945 war er ein ganz Großer der europäischen Geschichte". Er sei einer der Väter des Europas der Völker gewesen.

US-Präsident Donald Trump beschrieb Kohl als Freund und Verbündeten der USA. Die Welt habe von seinem Weitblick und seinen Anstrengungen profitiert. Kohl sei nicht nur der Vater der deutschen Wiedervereinigung gewesen, sondern auch ein Verfechter für Europa und das transatlantische Verhältnis. Der Altkanzler war im Jahr 2005 zusammen mit Ex-Kreml-Chef Michail Gorbatschow und dem ehemaligen US-Präsident George Bush senior der erste Empfänger des Point-Alpha-Preises gewesen, der Verdienste um die Einheit Deutschlands und Europas würdigt. "Er ist der Mann, den ich als eine der größten politischen Führungsfiguren im Nachkriegseuropa ansehe", heißt es in einem Statement von Bush, das sein Büro verbreitete. Auch er gilt als Vater der deutschen Einheit.

Putin sagte, Kohl habe eine "Schlüsselrolle bei der Beendigung des Kalten Krieges und der Wiedervereinigung Deutschlands" gespielt.

Die deutsche Einheit wäre ohne den Mut der Menschen in der DDR, ohne die Politik von Gorbatschow, ohne die Solidarnosc in Polen nicht denkbar gewesen. "Die Deutschen haben Helmut Kohl den Spitznamen 'Kanzler der deutschen Einheit' gegeben. Das ist richtig und gerecht", sagte Gorbatschow am Freitagabend in Moskau. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte: "Er war ein großer Staatsmann, ein großer deutscher Politiker und vor allem ein großer Europäer, der sehr viel dafür getan hat, dass nicht nur die Deutsche Einheit gekommen ist, sondern auch dass Europa zusammengewachsen ist". Der von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker angeregte Staatsakt soll binnen zwei Wochen im Europaparlament in Straßburg stattfinden.

Wie sehr er selbst als Kind gelitten hat, darüber hat Walter Kohl schon viel Auskunft geben, unter anderem in einem Buch mit dem Titel "Leben oder gelebt werden". Europas offene Grenzen, der gemeinsame Euro und die Anfänge einer gemeinsamen europäischen Verteidigung "schulden Helmut Kohl eine Menge".

Auch Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) gedachte Kohl.

Politiker aus dem In- und Ausland ehrten Kohl als großen Staatsmann und würdigten seine Verdienste um die Deutsche Einheit und Europa.