Zweite Runde der Wahl zur Nationalversammlung in Frankreich

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Zweite Runde der Wahl zur Nationalversammlung in Frankreich

Sie hatte bis 17.00 Uhr bei nur 35,3 Prozent gelegen, wie das Innenministerium mitteilte. Vor fünf Jahren lag der Vergleichswert bei 21,41 Prozent. Umfragen zufolge kann Präsident Emmanuel Macron mit seiner Partei La République en Marche (LREM) und der verbündeten MoDem-Partei auf eine überwältigende Mehrheit der Abgeordnetensitze hoffen. Eine absolute Mehrheit in der ersten Parlamentskammer galt als sicher. Als eine der ersten Maßnahmen will er ein Gesetz für mehr Moral in der Politik durch die Nationalversammlung bringen. "Eine erdrückende Mehrheit könnte die Debatte erdrücken", mahnt Senator François Baroin, der die konservativen Republikaner wenig erfolgreich in den Wahlkampf führte. Zudem will Macron das Arbeitsrecht reformieren. Dabei drohen im Herbst neue Massendemonstrationen der Gewerkschaften und der Linken. Das sind noch weniger als im ersten Wahlgang vor einer Woche, als im gleichen Zeitraum 19,2 Prozent zur Wahl gegangen waren. Wegen des Mehrheitswahlrechts mit zwei Runden kann der Präsident nun mit einer klaren absoluten Mehrheit rechnen. Nur vier Sitze wurden bereits in der ersten Runde vor einer Woche vergeben, im Rest der Wahlkreise wurden Stichwahlen nötig.

"Opposition verzweifelt gesucht", titelte am Wochenende die Zeitung "Le Parisien" und drückte damit die missliche Lage der althergebrachten Parteien aus. Größte Oppositionsgruppe werden voraussichtlich die konservativen Republikaner mit 70 bis 110 Sitzen sein. Alles deutet darauf hin, dass Frankreichs Präsident Macron einen Triumph einfährt, der einen bitteren Beigeschmack hat.

Am rechten Rand befindet sich der Front National, am linken La France Insoumise von Jean-Luc Mélenchon und die Parti Communiste. Der rechtsextreme Front National von Marine Le Pen erreichte gerade einmal etwas über 13 Prozent.

Im zweiten Wahlgang treten in den 577 Wahlkreisen jeweils die beiden Bestplatzierten der ersten Runde gegeneinander an. Getrübt wurde das starke Votum für Macron allerdings durch eine geringe Wahlbeteiligung. Anders als im ersten Wahlgang reicht in der zweiten Runde eine relative Mehrheit, damit ein Kandidat seinen Wahlkreis gewinnt. Die letzten Wahllokale schließen um 20.00 Uhr, unmittelbar im Anschluss gibt es erste Hochrechnungen. Damals lag die Wahlbeteiligung am Ende des Tages bei 48,7 Prozent - der bisher niedrigste Wert bei einer Parlamentswahl seit Gründung der Fünften Republik 1958. Wegen der Anschlagsgefahr findet die Wahl erneut unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt.