Krisentreffen der Air-Berlin-Aktionäre

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Krisentreffen der Air-Berlin-Aktionäre

"An unserer Aussage vom April 'Die Liquidität des Unternehmens ist gesichert' hat sich nichts geändert". Air Berlin hatte am Donnerstag mitgeteilt, bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Voranfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrags gestellt zu haben.

Mit Bürgschaften können Bund und Länder für die Kreditrückzahlung von Unternehmen garantieren, die sonst keine Darlehen mehr bekommen würden.

Der Chef der deutsche Monopolkommission hat sich gegen eine staatliche Bürgschaft für die kriselnde Fluggesellschaft Air Berlin ausgesprochen. 2017 sei ein Jahr des Übergangs, doch für 2018 peile das Unternehmen auf operativer Ebene (Ebit) schwarze Zahlen an, sagte Finanzchef Dimitri Courtelis am Mittwoch in London. Auch die alarmierenden Analystenkommentare nicht, nachdem in der vergangenen Woche bekannt wurde, dass der Plan eines neuen Ferienfliegers gemeinsam mit Tui gescheitert ist. Neben den in der EU-Fluggastrechteverordnung festgelegten Ausgleichszahlungen gewährt Air Berlin seinen Kunden demnach auch höhere Entschädigungen in Form von Fluggutscheinen - "bei einer Kompensation von 250 Euro etwa einen Gutschein in Höhe von 350 Euro", versprach Sprecherin Krohn.

Über eine Milliarde Euro Schulden drücken die Airline. Fraglich ist aber, wie es mit Air Berlin insgesamt weitergeht. Heute treffen sich die Aktionäre der verschuldeten Fluggesellschaft zur Hauptversammlung. Etihad hat sich von der Partnerschaft mit Air Berlin mehr erhofft, sie muss die Hauptstadt-Airline mit jährlichen Finanzspritzen in der Luft halten. Zur Höhe einer eventuellen Bürgschaft äußerte sie sich nicht, auch ein Air-Berlin-Sprecher wollte dazu auf Nachfrage nichts sagen.

Drastischer drückte sich FDP-Chef Christian Lindner in der Bild-Zeitung aus, dessen Partei der neuen NRW-Regierung angehören wird: "Mit der FDP wird der Steuerzahler nicht für Missmanagement haften". Zum Zug kommt möglicherweise die Lufthansa.

Nicht nur finanziell steht Air Berlin schlecht da. Lufthansa behielte attraktive Landerechte von Air Berlin und könnte sich so gegen Billigflieger-Konkurrenten wie Ryanair oder Easyjet wappnen. Air Berlin müsse ein überzeugendes Zukunftskonzept vorlegen, heißt es in der Bundesregierung. Durch eine Übernahme könnte Lufthansa die Air-Berlin-Flotte in die eigene Billigfluglinie Eurowings integrieren. Doch solche Absichten weist man offiziell vehement zurück - und spricht lieber von der Suche nach einem weiteren großen Partner. "Aber Air Berlin wird alle berechtigten Ansprüche seiner Kunden erfüllen", erklärte sie. Air Berlin und die Tochter Niki haben jedoch ihre bestehenden Flugpläne bestätigt. Inzwischen hat die Fluggesellschaft einen Antrag für eine Bürgschaftsprüfung gestellt. Etihad kündigte Unterstützung an, aber was bleibt ist die Ungewissheit und vor allem die Frage, wie viel Schuld Berlin an der Misere hat.