Juncker will ersten europäischen Staatsakt für Kohl

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Juncker will ersten europäischen Staatsakt für Kohl

Die Würdigung könnte nach Informationen der Zeitung in Straßburg stattfinden. Mit Kondolenzbüchern, Trauerbeflaggung und Gedenkwachen in seiner Heimat Rheinland-Pfalz wird an Kohl erinnert.

"Wenn ich mir anschaue, wie dieses Europa zu diffundieren scheint, wie junge Leute jetzt wieder anfangen dafür zu kämpfen, dann fällt mir das als erstes bei Helmut Kohl ein".

Gegenüber der "Bild am Sonntag" bekräftigte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, der seit mehreren Jahrzehnten als enger Vertrauter Kohls galt, diese Idee: "Schon zu Lebzeiten wurde Helmut Kohl mit der Ehrenbürgerschaft Europas ausgezeichnet, um seine außerordentlichen Verdienste zu würdigen". "Sein staatsmännisches Geschick zeigte Kohl, als er die Chance ergriff und die Wiedervereinigung Deutschlands erreichte". Im Foyer der CDU-Zentrale in Berlin wurde ein Kondolenzbuch für Helmut Kohl ausgelegt.

Kaum ein anderer deutscher Spitzenpolitiker wurde so oft und eklatant unterschätzt wie Kohl. Von Montag bis Freitag soll auch im Roten Rathaus ein Kondolenzbuch ausliegen.

Merkel hatte Kohl am Freitag als "großen Europäer" und als "Glücksfall für uns Deutsche" bezeichnet. Politiker von CDU und SPD sprachen sich dafür aus, den 'Kanzler der Einheit' durch eine Stiftung oder die Benennung von Straßen und Plätzen nach Kohl zu ehren.

Am Sonnabend nahmen zahlreiche Menschen Abschied von Helmut Kohl.

Die Junge Union rief Mitglieder aus ganz Deutschland dazu auf, sich am Samstagabend vor Kohls Wohnhaus in Ludwigshafen-Oggersheim zu einer Gedenkwache zu versammeln.

Wie reich war Helmut Kohl? Der Weltverband FIFA gestattete am Samstag einen entsprechenden Antrag des Deutschen Fußball-Bundes.

Bei der Verleihung des Point-Alpha-Preises an den Liedermacher und früheren DDR-Dissidenten Wolf Biermann legten die 1000 Gäste und Zuschauer im osthessischen Rasdorf eine Schweigeminute ein.

George Bush senior, der von 1989 bis 1993 amerikanischer Präsident war, würdigte Kohl als "einen der grössten Staatenlenker von Nachkriegseuropa".

Auch, wenn Kohl offiziell kein Ratgeber mehr sein konnte und wegen der Parteispendenaffäre nicht nur seinen Ehrenvorsitz verlor, sondern auch den Kontakt zu Angela Merkel und obendrein zu Wolfgang Schäuble, so lebte doch einiges von Kohl in der Partei weiter.

Zuvor hatte Trump während einer Rede in Miami zur Kuba-Politik Kohl mit keiner Silbe erwähnt. "Europa trägt seine Handschrift", schrieb Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ). Über viele Parteigrenzen hinweg würdigten zahlreiche Politiker die Lebensleistung des "Kanzlers der deutschen Einheit".

Der am 3. April 1930 in Ludwigshafen geborene CDU-Politiker war 16 Jahre lang, von 1982 bis zu seiner Abwahl 1998, Bundeskanzler. Nach einer Privataudienz im Vatikan sagte Merkel, der Papst habe seine Anteilnahme ausgedrückt und Kohl als "großen Staatsmann" gewürdigt.