Bericht: Viele Mütter duldeten Kindesmissbrauch in Familien

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Bericht: Viele Mütter duldeten Kindesmissbrauch in Familien

Diese sind zwar selten Täterinnen, aber vorwiegend Mitwissende, wie aus dem jetzt vorgelegten Zwischenbericht der "Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs" hervorgeht. "Der Bericht gibt einen tiefen Einblick in das Versagen von Müttern". Die bittere Erkenntnis der ersten Untersuchungen: "Kinder haben oft keine oder erst spät Hilfe erfahren, weil Familienangehörige zum Teil lange etwas von dem Missbrauch wussten, sie dennoch nicht davor schützten und handelten". Mütter können viele Gründe für das Dulden des Missbrauchs haben, häufig sind es Abhängigkeiten von dem Missbrauchenden, erlebte Rechtlosigkeit, Ohnmachtserfahrungen und Gewalt in der Partnerschaft.

Kommission Sexueller Kindesmissbrauch wird in Familien oft geduldet
Opfer werden von Familienangehörigen oft nicht geschützt

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs war im Januar 2016 vom Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs einberufen worden. Seit Mai 2016 haben sich bei der Kommission rund 1.000 Betroffene und andere Zeitzeugen für eine vertrauliche Anhörung gemeldet. Oft spielen auch die Angst vor dem Verlust des Partners oder der gesamten Familie sowie eigene Missbrauchserfahrungen in der Familie eine Rolle. Bei rund 70 Prozent der Betroffenen fand laut der Kommission der Missbrauch in der Familie oder im engeren sozialen Umfeld statt. Zusätzlich sind 170 schriftliche Berichte eingegangen. Sie untersucht sämtliche Formen von sexuellem Kindesmissbrauch in der Bundesrepublik und in der DDR. Besonders bitter für die Opfer: In den wenigsten Fällen haben die Mütter ihren Kindern geglaubt und sie vor weiterem Missbrauch geschützt. "Die Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe angesehen werden und erfordert eine stärkere Unterstützung durch die Politik", fordert auch Christine Bergmann, ehemalige Familienministerin und Mitglied der Kommission. Zu groß scheint das Tabu, sich in die Angelegenheiten einer Familie einzumischen. Jedes Jahr gibt es mehr als 12.000 Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Kindesmissbrauchs. "Das Dunkelfeld ist noch sehr viel größer". Ein Schritt im Kampf gegen das Totschweigen von Kindermissbrauch und damit in die richtige Richtung ist der Bericht alle Mal. Oder sie wurden über mehrere Jahre von verschiedenen Familienmitgliedern missbraucht, zunächst vom Großvater und Jahre später vom Vater. Konkret heißt das, dass viele Missbrauchsopfer im Erwachsenenalter arm sind. Damit habe diese signalisiert, "dass die Gesellschaft bereit ist, Verantwortung zu übernehmen". Scharfe Kritik übte der Missbrauchsbeauftragte an Politik und Zivilgesellschaft: Nach den ersten großen Missbrauchsskandalen sei die Aufmerksamkeit groß gewesen.