Was Sie über Chet Baker wissen sollten

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Was Sie über Chet Baker wissen sollten

Das ist insofern eine beachtliche werkgeschichtliche Korrespondenz, als auch das Chet-Baker-Biopic mit einer Zäsur beginnt, die Folgen für den Lebenswandel des labilen Künstlers hat: 1966 wird der steil aufgestiegene Jazz-Stern, in dessen Licht zwei Ehen verglüht sind, in San Francisco so sehr verprügelt, dass er zu einem Langzeitfall der Kieferchirurgie und der Dentalmedizin wird.

Der nun in den Kinos startende Film "Born To Be Blue" von Robert Budreau widmet sich einer Phase im Leben des Musikers, als sich alles zum Guten hätte wenden können. Seine Film-im-Film-Partnerin Jane (Carmen Ejogo) spielt hier einen Zusammenschnitt mehrerer Frauen aus dem Leben des Musikers.

Dazwischen erleidet er einen schweren Schicksalsschlag, als er vermutlich von Drogendealern zusammengeschlagen wird. Und ein in seiner Verlorenheit unwiderstehlicher Typ kämpft sich in ein Leben vor, das er nie gehabt hat, um es aus Angst vor der Bühne, der er nie gewachsen war, der neuerlichen Heroinsucht zu opfern. Dabei verlor er mehrere Schneidezähne und benötigte ein künstliches Gebiss.

Durch den Kniff erscheint es dann auch plausibel, dass der 46-jährige Ethan Hawke in diesen Szenen einen wesentlich jüngeren Baker verkörpert. In einem der großen Verzweiflungsmomente des Films hingegen bricht er mit seinem Spiel dem Zuschauer fast das Herz: als Chet kurz nach dem Überfall in der leeren Badewanne sitzt und versucht, wieder mit seiner Trompete zurechtzukommen, während ihm das Blut aufs Unterhemd tropft. Dass man diesem von seiner Sucht gequälten Mann so nahekommt, ist aber vor allem das Verdienst von Ethan Hawke, der Baker-Klassiker wie "My Funny Valentine" selbst singt. Anschließend bricht er völlig zusammen.

Co-Darstellerin Jane (Carmen Ejogo, 43) wird zu Chets neuer Liebe. Das gelingt ihm dann auch, dafür aber geht seine Beziehung zu Jane in die Brüche, und er greift wieder zu Drogen.

Es ist ein langer Weg zurück in den legendären Jazz-Club Birdland, wo Chet Baker unbedingt sein Comeback geben will. Dabei beruht vieles, was zu sehen ist, nicht auf Fakten, sondern auf Mythen und Legenden über den Protagonisten. Doch wird der Wahrheitsgehalt dieser Szene sogleich relativiert: Als die Klappe fällt, schlüpft Baker aus seiner Rolle als Baker heraus und lässt seinen Regisseur wissen, dass seine Sucht in Wahrheit weit weniger romantisch begann und ohne Sex. Budreau, der 2009 mit "The Deaths of Chet Baker" bereits eine Vorstudie im Kurzfilm-Format vorgelegt hat, suggeriert, dass sich die Schläger aus Dealerkreisen rekrutiert haben. Angenommen, es hätte nicht nur die Idee gegeben, aus der tatsächlich nie etwas geworden ist, sondern einen Produzenten, der den Star aus dem Gefängnis holt, welcher wiederum sich darauf einlässt, in einem Film mit lauter improvisierten Szenen sich selbst zu spielen.

Chet Baker hatte weiße Hautfarbe, auch wenn er wie ein Schwarzer spielte.

Verlust, Trauer, Schmerz und wiedererlangtes Selbstbewusstsein eines kaputten Genies - Ethan Hawke spielt großartig!